PR3000
Neuer Zyklus, neuer Anfang, da gibts wohl nicht viel zu meckern. Wobei…
Wie erwartet kommt ein geradezu klassischer Rhodan zum Einsatz, der sofort Lunte riecht, dass etwas nicht stimmt. und auch eine Begegnung mit einer neuen ‘mächtigen’ Figur, ganz in Tradition der diversen Beauftragten irgend einer Macht im Hintergrund ist ebenfalls klassisch und versprüht einen Hauch von Laire. Bleibt nur zu hoffen das das nicht bald wieder abflacht.
Die erste Ungereimtheit kommt bereits auf Seite 24 wenn Rhodan geschockt ist davon, dass die Erde ein Mythos sei. Himmel, wir sind in einer unbekannten Zukunft, Jahrtausende können vergangen sein. Richtig doll wirds aber auf Seite 38, wenn sich rausstellt, dass es nur 493 Jahre waren. Nur, weil dass nicht wirklich zu einem Vergessen der Erde recht. Das sind selbst bei Normalmenschen gerademal drei Lebensalter – ganz zu schweigen von Rassen die deutlich älter werden. Siganesen, Ertruser und viele andere Menschenarten, ganz zu schweigen von Fremdvölkern haben eine Lebensdauer die diese 500 Jahre erreicht oder überschreitet. Da müssen sie Expokraten schon ganz tief in die Märchenkiste greifen um das zu erklären. Glaubhaft wird das nicht. Dafür ist die Galaxie zu groß, es gibt zuviel Aufzeichnungen, Relikte und eben Bewohner. Das ist irgendwie wie im Jahr 2020 behaupten dass es das bayerische Königreich nie gegeben hat – frag mal einer die Amis, die in einer Folge von NCIS in Berlin jemanden Lederhosen als Souvenir kaufen lassen.
Als dann auf Seite 52 die Cairaner nach nur 14 Stunden eintreffen wirds leicht unglaubwürdig, auch wenn versucht wird mit einigen Zahlenspielereien das zurechtzurücken. Das ist einfach zu schnell für eine Mission die den gigantischen Halo der Milchstraße sichern soll und das seit Jahrhunderten tut. Gut, robotische Spührer können das leisten, aber wenn dann die cairanischen Schlachtschiffe nur Minuten später da sind, dann ist das einfach unglaubwürdig.
Und dann werden diese auch wieder völlig ohne not als technisch weit überlegen und so dargestellt. Warum? Selbst eine weit überlegene RAS TSCHUBAI hatte irgendwann (glaubwürdig) abfliegen müssen wenn mehr Verstärkung kommt. Klingt alles wie die nächste Gigantomanie, die begegnet werden muss und uns in 100 oder maximal 200 Heften wieder einen Degrader bringt 🙁
So richtig schwierig wird die Glaubwürdigkeit mit dem auf Seite 64 angerissenen Posizit und der Datenflut. Schon der zweite Satz von ANANSI, “Es wurden offenbar alle Rechner, die erreichbar waren, mit korrumpierten Daten überflutet” , zeigt die ganze Schwäche der Idee auf: Rechner, die erreichbar waren. Auch in einer modernen voll vernetzten Welt gibt es Unmengen an Rechnern die nicht am Netz sind – schonmal alle die abgeschaltet sind. Genauso sind nie alle Medien in Schreibgeräten/beschreibbaren Zustand. Auch im Jahr 5000 werden reine Lesespeicher ihren Platz haben – schon alleine weil grundsätzlich ökonomischer. . Die Wahrscheinlichkeit dass Unmengen von unverfälschten Kopien grundlegender Daten überleben kann als 1 angenommen werden.
Und zu guter letzt gibts Datenforensik. Wir schaffen es heute bereits ca 70% aller spezifischen Neanderthaler-Gene wieder zu rekonstruieren. Aus unserem eigenen Erbgut, obwohl sich keiner mehr an diese erinnert. Dabei trägt ein einzelner Mensch nur 1-2% dieser Gene – und große Bevölkerungsgruppen garkeine. Wenn die Technik des Jahres 2020 das schaft, dann ist es absolut unglaubwürdig, dass es in Zeiten von Positroniken nicht gelingt die schier unendlichen Mengen an Kopien der gleichen Informationen wieder zusammenzuführen. Himmel, ANANSI hat doch gerade das Gleiche mit den Nachrichten aus der Milchstraße gemacht.
Und dann sind da ja noch die Menschen selbst. Wir alle haben doch gerade erst gesehen was für Wissensberge die Wikipedia in weniger als 20 Jahren zusammengetragen hat. Alles von Menschen die das dort händisch erfassen. Man kann jetzt über Details wie den Faltenwurf von Cäsars Gewand, oder die Aussprache seines namens diskutieren. Im großen Zusammenhang passt es aber. Und sowas hat kein Volk in der ganzen Milchstraße geschafft?
Aber auch die Geschichte um Giuna hat ihre Schwächen. Wenn man sich einer ‘gesicherten’ Stellung nähert, dann sind Deflektoren die geringste Sorge. Dabei geht es nicht nur um Wärmeabstrahlung die ja gerade in einer Kalten Umgebung weg muss (und ja, wir müssen Wärme abgeben). Aber selbst wenn man annimmt, dass das irgendwie geht, jede Bewegung schneller als ein paar Stundenkilometer wird leicht detektierbare Luftbewegungen hinterlassen – inklusive zusätzlicher Wärme durch die Luftbewegung. Selbst mit den ‘primitiven’ Mitteln des 21. Jahrhunderts kann man die Wärmespur die ein Segelflugzeug (kein Motor) hinterlässt sichtbar machen – und die Luftbewegungen noch leichter. Da reichen Lampe und Kamera eines 10 Jahre alten Handys. Wenn also die Technik, ausgerechnet vom wohl kommenden Gegner, der schon mit Übertechnik vorgestellt wurde, hinter dem 21. Jahrhundert zurückhängt, dann schwächelt es wiedermal.
Fazit:
Inhalt: Gute Ideen
Harte Technikfehler: 0
Harte Unschönheiten: Plotholes so groß wie Schlaglöcher im New York der 80er- mal abwarten
Standardfehler: Technisch übermächtiger Feind
Kleie Technikprobleme: Einige.
Handlungsschwächen: Ja
Prognose: Schwierig.